- Project:
- Bad Nürnberg
- Date:
- 2009
- Location:
- Nürnberg D
- Photo:
- -
- ***:
- in Zusammenarbeit mit:
Partl & Co Architects Graz
bericht architektur
das freibad „west“ liegt, seinem namen entsprechend, im westlichen teil der stadt nürnberg, im regionalbezirk st. johannis. das annähernd 6 hektar grosse längsgestreckte, nahezu ebene areal bildet mit seinem parkähnlichen erscheinungsbild eine pufferzone zu der nördlichen,massiven wohnbebauung und der im süden über eine geländeverwerfung direkt anschliessende, tiefer gelegene aulandschaft des flusses pegnitz.
der vorhandene dichte und gut entwickelte baumbestand bildet mit den anderen landschaftselementen ein ökosystem von hoher qualität und stellt somit einen idealen standort für die grosse innerstädtische freizeitanlage dar.
diese kriterien in kombination mit der guten verkehrstechnischen erschliessung — strassen-, rad- und wegenetz, parkierung und haltestellen des öffentlicher verkehrs - führten in den 60 jahren zur errichtung dieser hochwertigen freibadanlage, die nun entsprechend innovativ modifiziert werden soll.
städtebau, gestalt, landschaftsbild, erschliessung, innnere funktion:
der entwurf verstärkt die vorhandenen elemente und qualitäten bei gleichzeitiger neuordnung der einzelnen bereiche. eine verbindungsachse von west nach ost bildet das „rückgrat“ die sich mit den einzelnen funktionen zu einer organischen einheit verbindet. gleichzeitig wird diese achse zum „boulevard“, der mit seiner etwas erhöhten lage einen zentralen, attraktiven erlebnisbereich der ganzen anlage darstellt — gehen, schauen, sitzen,liegen, sehen und gesehen werden.
dies
vor dem hintergrund der nutzungserweiterung durch veranstaltungen.
über einen grosszügigen, verkehrsfreien platz als urbane geste ( einschliesslich angegliederter parkierung ) wird die anlage durch das eingangsbauwerk betreten. eine grosszügige dynamische vordachkonstruktion wird zum markenzeichen der anlage.
mit der bewusst additiven anornung der elemente in der oberen hälfte des areals bilden die frontbaukörper — eingang, kassa, umkleiden , wärmehalle,personaltrakt — mit den nachfolgenden sport- und sprungbecken eine formale einheit, dies gilt auch für die angeschlossenen baukörper - technikzentrale mit dahinterliegenden sportfeldern.
die stufenanlage umschliesst die becken und stellt eine liegefläche für sportlich orientierte badegäste dar oder eben auch eine tribüne für diverse veranstaltungen ( sowie auch den schallschutz gegen norden/wohnbebauung).
in den südlichen abschnitt der anlage werden in zentraler lage die azurblauen erlebniswasserbecken plaziert, ihre freie formgebung unterstreicht mit den begleitenden attraktionen — seichtwasserbereiche, insel, sprungtürme, rutschen,dünenelement — und der hochwertigen bestehenden vegetation den wellnesscharakter des bades. östlich der sanddüne verbleibt eine beruhigte zone, die durch den baumbestand gegliedert wird und erholungssuchenden rückzugsmöglichkeiten bietet.
für kleinkinder wird eine eigene zone vorgesehen (kommunikation bzw. abgrenzung zu den anderen bereichen, lärm, schall). am ende des boulevards wird eine zweite kleinere gastroeinheit ( umkleiden,du/wc ) stationert , sie versorgt den zentralen badebereich und leitet mit der weitergeführten achse - boulevard - zur östlichen jugendsportanlage über. dieser baukörper ist in das gelände eingeschnitten und bildet mit den sportanlagen einen eigenen bereich, der unabhängig vom badeareal ganzjährig betrieben und erschlossen wird. die ein- und ausgänge dienen aber auch der gesamtanlage - siehe nahegelegene busstation brückenstrasse.
die einzelnen ein- und ausgänge in ost, nord (zufahrt für bädertechnik) und west sowie die wegeführung (boulevard, befestigte flächen) bilden mit den baulichen elementen eine einheit, unterschiedliche temporäre nutzungen/bereiche bieten multifunkionelle situationen — schwimmen, baden, sonnen, ruhen, sport, gastronomie, events.
alle baumassen und elemente sind auf den vorhandenen baumbestand abgestimmt,notwendige fällungen werden durch neupflatzungen ersetzt. der boulevard wird mit platzierung schirmartiger baumarten akzentuiert, ergänzt durch die begleitenden nebenelemente pergola mit rankgewächsen und hecken, sitzgelegenheiten, treppenanlagen. die, die becken umgebenden, befestigten flächen bilden mit den teilweise modellierten bodenzonen wie der sanddüne und der laubbaumkulisse am geländerand eine gestalterische einheit. die grossrutsche und der sprungturm als höchste bauteile stellen filigrane konstruktionen dar ( stabwerke ), um die integration in die bestehende vegetation zu gewährleisten.der höchste punkt der grossrutsche stellt ausserdem eine aussichtsplattform für die aulandschaft dar.
konstruktion, wirtschaftlichkeit, energieeffizienz: den gestalterischen überlegungen folgen auch konstruktion und materialien. metallkonstruktionen bieten leichtigkeit und rasche umsetzung, kombiniert mit sonnenschutzverglasungen und massiven speichermassen - teilweise holzsandwichelemente ( wände, decken) und sichtbeton fertigteile. langlebige, bauphy- sikalisch entsprechende ( luft, feuchte, schall) oberflächen in den innenräumen unterstützen die architektur, gleiches gilt für die aussenzonen - entsprechende plattenbeläge im grossformat, fertigteile, gussmaterialien — vorplatz, boulevard, wandelflächen. in kombination mit tageslichtführung (oberlichten) und natürlichen lüftungsmöglichkeiten führen die gewählten konstruktionen und techniksysteme (siehe bericht technik) zu einem reduzierten enegieverbrauch und somit zu verminderter co2-emission und stellen somit einen aktiven beitrag zum umweltschutz dar.
all diese überlegungen in kombination mit einer zeitgemässen formensprache sollen zu einer neuen nachhaltigkeit der badeanlage führen und einer architektonischen innovation für nürnberg.